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Bildrechte: © Daniel Biskup

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Tima Kurdi und unser Kampf für Menschlichkeit im Umgang mit Geflüchteten

Tima Kurdi und unser Kampf für Menschlichkeit im Umgang mit Geflüchteten

Gestern durfte ich Tima Kurdi kennenlernen, die Tante von Alan Kurdi. Alan ertrank vor fünf Jahren beim verzweifelten Versuch ins sichere Europa zu gelangen. Seine Leiche wurde an einem türkischen Strand gefunden. Das Bild des leblosen Körpers des zweijährigen Alan lässt mich bis heute nicht los. Das Foto wurde zum Sinnbild für das Versagen der EU. Das Versagen, ein Minimum an Humanität an ihren Grenzen zu gewährleisten.

Tima, die seit vielen Jahren in Kanada lebt, widmet heute ihr ganzes Leben dem Kampf um die Rettung von Geflüchteten. Sie engagiert sich vor allem bei Sea Eye. Der Organisation, die mit dem Rettungsschiff ALAN KURDI Menschenleben auf der tödlichsten Fluchtroute der Welt rettet. Sea Eye organisierte auch das Treffen zwischen uns, nachdem Tima von meinem privaten Engagement für Geflüchtete gehört hat.

Es war ein sehr bewegendes und zugleich bereicherndes Gespräch. Wir sprachen über die derzeitige Situation von Geflüchteten und unsere Möglichkeiten, diese spürbar zu verbessern. Besonders emotional wurde unser Gespräch, als Tima vom Tod ihres Neffen erzählte. Wir beide konnten die Tränen nicht zurückhalten. Ich berichtete ihr von der Bereitschaft Berlins, Geflüchtete aufzunehmen und den Schwierigkeiten in der Abstimmung mit dem Bund. Sie selbst sagt: „Ich konnte meine Familie nicht retten. Ich möchte nun helfen, andere vor dem Tod zu retten." Diese Kraft und der Wille von Tima bestärken mich in meinem unermüdlichen Einsatz für Geflüchtete.

Die Bilder aus Moria machen mich jeden Tag aufs Neue fassungslos, wütend und traurig. Es ist gut, dass sich die Bundesregierung bereit erklärt hat, schutzbedürftige Menschen aus Moria aufzunehmen. Aber ich kann nicht verstehen, warum Innenminister Seehofer das den aufnahmewilligen Kommunen und Ländern nicht schon vor Monaten erlaubt hat. Ich bin dennoch dankbar, dass Berlin zu denen gehört, die mit gutem Beispiel vorangehen.

Für mich steht fest: Wenn wir es ernst meinen mit der Europäischen Idee, dann müssen wir unsere Werte auch praktizieren. Das heißt vor allem Menschlichkeit gegenüber den Schwächsten. Auch ich habe nicht auf jede Frage der europäischen Migrationspolitik eine einfache Antwort, aber eines weiß ich: Solange Kinder an unseren Außengrenzen ertrinken, solange wir Familien auf europäischem Boden im Dreck und ohne Obdach im Stich lassen, können wir als überzeugte Europäer*innen nicht mit gutem Gewissen in den Spiegel sehen.

Lasst uns gemeinsam für mehr Menschlichkeit kämpfen. Das habe ich mir gemeinsam mit Tima vorgenommen.

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